Besinnliches zum Thema Trauer

Ein guter Ort zum Kommen und zum Gehen

Sylvia Renz berichtet, wie sie die letzten Lebenstagen ihrer Tochter im Hospiz Bergstraße erlebt und was sie empfunden hat. "Stärker als der Tod" (pdf-Datei, 436 KB)

Den Abschied ein wenig erleichtert

Ein halbes Jahr nach dem Tod ihrer Tochter, schreibt Sylvia Renz ihre Gedanken nieder, in denen sie Trauer mit Hoffnung und Leid mit Zuversicht verbindet.   "Den Abschied ein wenig erleichtert" (pdf-Datei, 157 KB)

Wer Schmetterlinge lachen hört

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Stier, zum Narr, zum Weisen
und kann in einer Stunde,
durchs ganze Weltall reisen. 

Wer in sich fremde Ufer spürt,
und den Mut hat, sich zu recken,
der wird allmählich,
ungestört von Furcht,
sich selbst entdecken. 

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Wer mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genau so sterben,
und ist selbst dann
lebendiger als alle seine Erben. 


(Novalis) Power-Point-Präsentation dazu: hier klicken

Ich ließ meinen Engel lange nicht los

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß. 

Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben –
Und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
Er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt… 

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, -
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.   

(Rainer Maria Rilke)

Eine Nacherzählung des Märchens: „Das Tränenkrüglein“

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, und sie hatten sich von ganzem Herzen lieb, und der eine konnte nicht ohne den anderen sein. Aber da sandte der Herr eine große Krankheit, die wütete unter allen Menschen und erfasste auch jene Frau, dass sie auf ihr Lager sank und zum Tod erkrankte.
Drei Tage und drei Nächte wachte, weinte und betete der Mann bei seiner geliebten Frau, aber sie starb.
Da erfasste den Mann, der nun allein war auf der ganzen Gotteserde, ein gewaltiger und namenloser Schmerz, und er aß nicht und weinte, weinte wieder drei Tage lang und drei Nächte lang ohne aufzuhören und rief nach seiner Frau.
Wie er nun so voll tiefen Leides in der dritten Nacht saß an der Stelle, wo seine Frau gestorben war, tränenmüde und schmerzensmatt bis zur Ohnmacht, da ging leise die Tür auf, und der Mann erschrak, denn vor ihm stand seine verstorbene Frau, in den Händen hielt sie ein Krüglein. Hier, in diesem Krug, sind alle deine Tränen, die du um mich geweint hast. Ich habe sie alle gesammelt, als Zeichen, dass du auch jetzt mit mir verbunden bist. Der Krug ist nun voll. Du brauchst nicht mehr zu weinen. Sie sah erlöst von allem Leid aus, und sie wandte sich ihm liebevoll zu und sagte: ...   

Schlussgebet: Psalm 56,9f. 


Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir.
Sammle meine Tränen in einem Krug.
Zeichne sie auf in deinem Buch.
Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.
So gehe ich vor Gott meinen Weg im Licht der Lebenden.  

(Ludwig Bechstein)

Die Legende vom Senfsamen

In einem fernen Land lebte eine Frau, deren einziger Sohn starb. In ihrem Kummer ging sie zu einem heiligen Mann und fragte ihn: „Welche Gebete und Beschwörungen kennst du, um meinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken?“

Er antwortete ihr: „Bring mir einen Senfsamen aus einem Hause, das niemals Leid kennen gelernt hat. Damit werden wir den Kummer aus deinem Leben vertreiben.“

Die Frau begab sich auf die Suche nach dem Zauber-Senfkorn. Auf ihrem Weg kam sie bald an ein prächtiges Haus, klopfte an die Tür und sagte: „Ich suche ein Haus, das niemals Leid erfahren hat. Ist dies der richtige Ort? Es wäre wichtig für mich.“

Die Bewohner des Hauses antworteten ihr: „Da bist du an den falschen Ort gekommen“, und sie zählten all das Unglück auf, das sich jüngst bei ihnen ereignet hatte.

Die Frau dachte bei sich: „Wer kann diesen armen unglücklichen Menschen wohl besser helfen als ich, die ich selber so tief im Unglück bin?“ Sie blieb und tröstete sie.

Später, als sie meinte, genug Trost gespendet zu haben, brach sie wieder auf und suchte aufs Neue ein Haus ohne Leid. Aber wo immer sie sich hinwandte, in Hütten und Palästen, überall begegnete ihr das Leid.

Schließlich beschäftigte sie sich ausschließlich mit dem Leid anderer Leute. Dabei vergaß sie die Suche nach dem Zauber-Senfkorn, ohne dass es ihr bewusst wurde. So verbannte sie mit der Zeit den Schmerz aus ihrem Leben. 

(Aus China)

Der kleine Prinz

Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst immer mein Freund sein.
Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.
Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen...
Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.

(Antoine de Saint-Exupéry)

Trauer

 Tränen,
die fließen, sind bitter.
Bitterer aber sind die Tränen,
die nicht fließen.

(Irisches Sprichwort)  


Gebt Worte Eurem Weh.
Leid, das nicht spricht,
raunt ins gebeugte Herz sich
bis es bricht.

(William Shakespeare)


Tröste dich, die Stunden eilen, und was all dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen, und es kommt ein andrer Tag.
In dem ew'gen Kommen, Schwinden, wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden ihren Weg zu dir zurück.
Harre, hoffe. Nicht vergebens zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein andrer Tag.

(Theodor Fontane)  

Die Frage bleibt ...

Halte dich still, halte dich stumm,
nur nicht forschen, warum? Warum?

Nur nicht bitt're Fragen tauschen,
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.

Wie's dich auch aufzuhorchen treibt,
das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

(Theodor Fontane)

Zitate


Du musst Abschied nehmen können,
wenn du weitergehen willst.

Sprichwort


 Im Garten der Zeit
wächst die Blume des Trostes

(aus Rumänien)


Was nicht angenommen wird, kann nicht geheilt werden.

(Gregor von Nazianz)


Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte steh´n, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.

(Arthur Schopenhauer)


Leiden und Schmerz sind immer die Voraussetzung umfassender Erkenntnis und eines tiefen Herzens. Mir scheint, wahrhaft große Menschen müssen auf Erden eine große Trauer empfinden.

(Fjodor Michailowitsch Dostojewski)


Wohlangebrachte Trostworte verwandeln sich in Arzneien, und alles was die Seele aufrichtet, stärkt den Körper.

(Seneca)


Je schöner die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung, aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

(Dietrich Bonhoeffer)

 

Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder.  
Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen.
Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

(Rainer Maria Rilke)  

Themenbereiche:

Erfahrungsberichte von Angehörigen und Mitarbeitern

Sterben und Tod

Trauer

Der Partner ist tot. Die Trauer unermesslich.
Zwei Witwen erzählen, was Trauernden hilft - und womit man sie verschonen sollte

Gebete

Sonstige Texte und Gedichte 

Kontakt

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Hospiz-Stiftung Bergstraße
Margot-Zindrowski-Haus
Sandstraße 11
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Tel.: 06251-98945-0
post@hospiz-verein-bergstrasse.de

post@hospiz-stiftung-bergstrasse.de

Hospiz Bergstraße
Kalkgasse 13
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Tel: 06251-17528-0
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