|
Konzept
1. Inhaltliche Ausrichtung
Das Ziel der gesamten Hospizarbeit ist
es, ein Sterben im vertrauten Umfeld, umsorgt von Angehörigen und
Freunden, im Sinne des sterbenden Menschen zu ermöglichen. Falls eine
Versorgung im häuslichen Bereich nicht mehr möglich ist, soll das Hospiz
Bergstraße diesen Menschen in ihren letzten Lebenstagen ein Zuhause
werden. Sie sollen hier ein Umfeld vorfinden, das durch Behaglichkeit
und eine warme häusliche Atmosphäre so weit als möglich den
Gegebenheiten zu Hause nahe kommt und somit Geborgenheit und Sicherheit
vermittelt. Das stationäre Hospiz Bergstraße ist die optimale Ergänzung
zur ambulanten Hospizarbeit der acht Hospizgruppen im Kreis Bergstraße.
Das Hospiz Bergstraße möchte Menschen
ein möglichst würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende
ermöglichen. Der sterbende Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen
sowie seine Angehörigen stehen im Mittelpunkt unseres Handelns.
Die Betreuung umfasst zum einen die
palliativmedizinische Behandlung und zum anderen die umfassende
menschliche Zuwendung. Die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit der
Sterbenden wird hier ermöglicht und so weit wie möglich gefördert.
Dadurch wird eine Verbesserung der Lebensqualität in diesem letzten
Lebensabschnitt erreicht. Dies erfolgt insbesondere durch lindernde
Pflege und lindernde Medizin - also eine kompetente Schmerztherapie, und
durch Zuwendung in einem ganz persönlichen Umfeld, in dem auf die
Bedürfnisse und Wünsche der Sterbenden eingegangen wird.
Grundlegend ist die Akzeptanz des Todes
als Teil des Lebens. Dies schließt aktive Sterbehilfe aus.
Im Hospiz Bergstraße sehen wir den
kranken Menschen nicht als Patienten, sondern als Gast.
Im Zentrum unserer Arbeit steht der Gast
mit seinen gesamten physischen, psychischen, sozialen und spirituellen
Belangen. Wir möchten eine intensive Zusammenarbeit der Angehörigen, des
Behandlungsteams und der Begleitenden während der Krankheit, beim
Sterben und auch in der Zeit danach erreichen.
Wesentlicher Bestandteil unserer
Betreuung ist die Hilfe von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die auch
die Beratung und Begleitung von Angehörigen und Freunden in der Zeit der
Trauer mit einschließt.
2. Unsere Zielvorstellungen
Wir respektieren die Einzigartigkeit
eines jeden Menschen und bieten eine individuelle, auf den jeweiligen
Menschen abgestimmte Begleitung, Beratung und Pflege.
Unser Ziel ist es, die größtmögliche
Lebensqualität zu erhalten und den letzten Tagen Leben hinzuzufügen. Auf
Wunsch binden wir die Angehörigen in die Pflege mit ein und integrieren
sie in den Betreuungsprozess.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt,
-
das Sterben, wie die Geburt, als
Teil des Lebens anzuerkennen und zu akzeptieren,
-
das Sterben weder künstlich zu
verlängern noch gezielt zu verkürzen,
-
sowohl Ängste und Bedürfnisse im
Zusammenhang mit Leid und Schmerz, als auch Einsamkeit und
Verlassenheit wahr- und ernst zu nehmen,
-
den Sterbenden mit Wahrhaftigkeit
und Echtheit, mit menschlicher Nähe und Zuwendung zu begegnen,
-
das Selbstbestimmungsrecht und die
Individualität des Patienten zu achten,
-
die trauernden Angehörigen (auf
Wunsch) über den Tod des Patienten hinaus zu begleiten und zu
unterstützen.
3. Unser Leitbild
für Pflege und Betreuung
Unser Haus soll eine familiäre,
freundliche und persönliche Wärme ausstrahlen, in der sich Patienten,
Angehörige und Mitarbeiter wohl fühlen.
Jeder Mensch ist ein Individuum mit
Recht auf seine eigene Persönlichkeit und Eigenverantwortung. Der Mensch
steht für uns im Mittelpunkt unseres Handels.
Wir respektieren den Glauben, die
Nationalität und Kultur eines jeden Menschen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar -
und zu einem würdevollen Leben gehört das Sterben in Würde.
Sterben und Tod gehören für uns zum
Kreislauf des Lebens.
4. Das Pflege- und
Betreuungsmodell
Die Pflege wird von professionellen
Pflegekräften durchgeführt und überwacht. Sie basiert auf den neusten
Erkenntnissen der Palliativpflege. Wir legen großen Wert auf kreative
und individuell auf den Menschen abgestimmte Pflege. Die
Selbstbestimmung des Gastes steht für uns an oberster Stelle.
Als Pflegesystem wenden wir eine dem
Bewohner bezogene Bezugspflege an. Jedem Gast ist eine pflegerischen
Bezugsperson (Primary Nurse) zugeteilt, die für die Koordination,
Planung und Durchführung der Pflege zuständig ist. Die Primary Nurse ist
für eine mit dem Patienten abgesprochene, individuell abgestimmte Pflege
verantwortlich. Auch nach dem Tod des Gastes ist die Primary Nurse
Ansprechpartner für Angehörige und Bezugspersonen der Verstorbenen.
Wir pflegen aktivierend und Ressourcen
so weit fördernd, wie dies unter den gegebenen Umständen durchzuführen
ist. Die Biographie des Gastes zu kennen, ist uns wichtig, um besser auf
seine Probleme und Ressourcen eingehen zu können.
5. Unser Leistungsspektrum
Das Hospiz Bergstraße erbringt neben der
Unterkunft und Verpflegung vollstationär:
Unsere Versorgung ist nicht primär darauf ausgerichtet, das Leben zu
verlängern, sondern soll:
-
die Krankheitsbeschwerden des Gastes
lindern,
-
die letzte Lebensphase des Gastes so
erträglich wie möglich gestalten,
-
die mit dem Krankheitsprozess
verbundenen psychischen Leiden lindern.
Es ist unser Ziel, die größtmögliche
Lebensqualität für den erkrankten Menschen zu erhalten.
6. Pflege- und
Betreuungsleistungen
Wir stellen die sach- und fachkundige,
umfassend geplante Pflege sicher. Sie orientiert sich in Inhalt und
Umfang an den körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen
Bedürfnissen unserer Gäste.
Um eine ganz auf den einzelnen Gast
abgestimmte palliativmedizinische Behandlung sicherzustellen sowie
zusätzliche Beeinträchtigungen seiner Lebensqualität vermeiden zu
können, bieten wir u. a. die folgenden Dienstleistungen mehrfach täglich
bis stündlich an:
-
spezielle palliativpflegerische
Versorgung
-
Grund- und Behandlungspflege
-
umfassende regulatorische Handlungen
zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle
-
spezielle pflegerische
Interventionen
-
aufwendige hygienische Maßnahmen
-
spezielle medizinisch-technische
Interventionen
-
ausreichende Bewältigungs- und
Unterstützungsangebote
-
Beobachtung und Überwachung des
Gesamtgeschehens unter Wahrnehmung der medizinischen Behandlung.
Angehörige und Bezugspersonen sind
integraler Bestandteil unseres Palliativkonzeptes und werden in die
Versorgung, Pflege und Betreuung der Gäste mit einbezogen, soweit dies
der Erkrankte sowie der Zugehörige wünscht. Dies beinhaltet z.B.:
-
den Aufbau einer vertrauensvollen
Beziehung
-
die Information und Aufklärung über
die Notwendigkeit und die Wirkung von Pflegemaßnahmen
-
die Anleitung zur Mitwirkung bei der
Pflege, beim Gebrauch von Hilfsmitteln und weiterer therapeutischer
Maßnahmen.
7. Medizinische Versorgung
Die lindernde Behandlung von Schmerzen
und anderen körperlichen Beschwerden stehen im Vordergrund der
medizinischen Betreuung. Sie kann von den Hausärzten unserer Gäste
weitergeführt werden. Auf Wunsch werden palliativmedizinisch
ausgebildete Ärzte zur Beratung und Mitbehandlung hinzugezogen. Die
palliativmedizinische Versorgung steht rund um die Uhr zur Verfügung.
8. Psychosoziale Betreuung
Gemäß unserem Selbstverständnis ist uns,
neben der Behandlung der körperlichen Beschwerden, die Linderung der mit
dem Krankheitsprozess zusammenhängenden psychischen Probleme unter
Beachtung sozialer und ethischer Gesichtspunkte gleichwertig wichtig.
Wir bieten die psychosoziale Betreuung und Begleitung für unsere Gäste
sowie für die Angehörige und Bezugspersonen an. Zur Begleitung in diesem
Sinne gehört auch ein Hilfsangebot für die Angehörigen über den Tod des
Gastes hinaus.
9.
Sterbe- und Trauerbegleitung
Schwerstkranke und sterbende Menschen
durchleiden selbst zum Teil schmerzliche Trauerprozesse. Unser
Betreuungskonzept schließt daher eine einfühlende und qualifizierte
Trauerbegleitung ein.
Den Angehörigen und Bezugspersonen
bieten wir zur Verarbeitung der Trauer verschiedene Hilfen sowohl für
die Zeit der Sterbephase, als auch nach dem Tod des Gastes an:
-
einmal wöchentlich feste
Angehörigen-Sprechstunde mit Trauerbegleitern
-
Einzel- und Gruppenbetreuung durch
ausgebildete Trauerbegleiter in einem zeitlich begrenzten Rahmen
-
offene Angebote wie Trauercafé oder
Trauertreff zum Austausch ohne zeitlich begrenzten Rahmen
-
Andachtsgottesdienste, zu denen die
Angehörigen und Bezugspersonen nach einer gewissen Trauerphase
eingeladen werden, um mit dem Team gemeinsam der Verstorbenen zu
gedenken
10.
Seelsoglich-spirituelle Begleitung
Das Hospiz Bergstraße versteht sich als
weltanschaulich unabhängig. Jeder Gast, bzw. seine Angehörigen, werden
entsprechend ihrer spirituellen Bedürfnisse ernst genommen. Unsere
Begleitung der Gäste, Angehörigen und Bezugspersonen beinhaltet auch die
Hilfe bei der Auseinandersetzung und der Suche nach Antworten auf
Lebens-, Sinn-, Schuld- und Glaubensfragen.
Unabhängig von ihren Wert- und
Glaubensvorstellungen sowie Lebensstilen, ermöglichen wir allen Gästen
die Ausübung ihrer Religion und bieten seelsorglich-spirituelle Hilfen
an. Um eine individuelle Unterstützung anbieten zu können, werden
haupt- und ehrenamtliche Seelsorger der christlichen Kirchen sowie
anderer Glaubensgemeinschaften auf Wunsch der Betroffenen hinzugezogen.


|